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Pigeons of Shit Metal – oder dunkle Wolken über Frankfurt

Einmal im Monat berichtet „All Access Alexx“ exklusiv bei PRINZ von seinen spannenden Erlebnissen mit den größten Rock-Stars der Welt. AAA heißt eigentlich Alex Becker und ist seit 20 Jahren im Musikgeschäft tätig. Hier entführt er euch hinter die Kulissen dieser verrückten Branche und erzählt die ein oder andere Anekdote aus seinem Leben. Seid ihr gespannt? Wir auch! Los geht’s:

Einmal im Monat berichtet „All Access Alexx“ exklusiv bei PRINZ von seinen spannenden Erlebnissen mit den größten Rock-Stars der Welt. AAA heißt eigentlich Alex Becker und ist seit 20 Jahren im Musikgeschäft tätig. Hier entführt er euch hinter die Kulissen dieser verrückten Branche und erzählt die ein oder andere Anekdote aus seinem Leben. Seid ihr gespannt? Wir auch! Los geht’s:

Es ist eine Geschichte über den 13. November 2015, dem Tag der islamistischen Terror-Attacke auf den Pariser Rockclub „Bataclan“, bei dem mehr als einhundert Konzertbesucher aus aller Herren Länder den Tod fanden.

Das erste Mal hörte ich von den Eagles of Death Metal durch Axl Rose. Die Band um Frontmann Jesse Hughes war 2006 von Guns n´ Roses gebucht worden, um auf Konzerten der USA-Tour als Support zu fungieren.

Doch Axl schien die Band nach ihrem ersten Support-Auftritt nicht besonders zu mögen, und teilte seinen Fans live auf der Bühne, direkt nach dem Auftritt der Eagles of Death Metal mit, dass die „Pigeons of Shit Metal“ das erste und letzte Mal Support für Guns n´ Roses gewesen seien. Axl Roses Worte machten natürlich die Runde in der weltweiten Presse und so wurde ich damals auf Jesse und seine Band aufmerksam.

Im November 2015 hatte ich geplant, meine Freunde von Five Finger Death Punch und Papa Roach in der Frankfurter Jahrhunderthalle zu besuchen. Ich arbeitete wie immer an einigen Projekten, und wollte sie mit den Bands besprechen.

Kurz vor dem Beginn des Einlass zur Show erreichte ich Frankfurt. Ich holte meine Pässe an der Abendkasse ab, und machte mich auf den Weg ins Backstage.

In der Jahrhunderthalle befinden sich die Dressing-Rooms der Stars übrigens im Kellergeschoss. Schon auf der Treppe abwärts traf ich die üblichen Verdächtigen der Crew. Es war schön, so viele alte, bekannte und freundliche Gesichter auf einem Haufen zu sehen. Die Stimmung war prächtig und die Bands waren mehr als gut drauf. Der Abend war einfach dazu prädestiniert, grandios zu werden.

Da Papa Roach schon bald an der Reihe waren, ihren Auftritt vor ausverkauftem Haus in Frankfurt zu absolvieren, schaute ich erst einmal bei Sänger Jacoby Shaddix vorbei.

Ich arbeitete gerade an einem neuen Projekt, einem Quartett-Kartenspiel über Rockstars, welches ich „Rockcards“ getauft hatte. Der Sänger fand die Idee toll, und posierte sogar noch mit meinem Prototypen für ein Foto. Leider ist aus meiner Idee im Nachhinein nichts geworden, da die horrenden Kosten für Fotorechte das Kartenspiel für mich auch nicht ansatzweise profitabel gemacht hätten.

Bei Papa Roachs „Last Resort“ brachen alle Dämme

Kurz danach ging es dann auch schon für Papa Roach auf die Bühne. Mit welcher Energie die Band ihre Songs performt und welche Resonanz vom Publikum zurückkommt, ist einfach immer wieder atemberaubend. Als Jacoby dann gegen Ende des Sets den Überhit „Last Resort“ anstimmte, brachen alle Dämme. Die Fans übertönten sogar die PA-Anlage, als sie den Song Wort für Wort aus zigtausend Kehlen mitsangen.

In der Umbaupause besuchte ich noch kurz Ivan Moody. Mit Five Finger Death Punch hatte ich einen Rock Science Deal abgeschlossen und wollte die Bands über die Fortschritte informieren. Außerdem brauchte ich noch ein paar Autogramme für Werbezwecke. Für ein bisschen privaten Smalltalk blieb dann auch noch etwas Zeit, bevor die Band aufbrach, die Halle in Grund und Boden zu rocken.

Ivan, Zoltan, Jeremy, Jason und Chris sind einfach unfassbar nette und authentische Typen. Tolle Musiker mit Gespür für große Songs. Von Allüren auch gar keine Spur.

Eigentlich hatte ich gedacht, dass die Performance von Papa Roach an diesem Abend nicht mehr zu toppen gewesen wäre, aber die Jungs aus Las Vegas um Frontmann Ivan legten noch einmal eine mächtige Schippe drauf.

Jesus f***ing Christus. Was war das bis dato bitte für ein absolut geiler Abend in Frankfurt? Wie ein Abrisskommando zerlegten Papa Roach als auch Five Finger Death Punch an diesem Abend die altehrwürdige Jahrhunderthalle.  Die Stimmung war auf dem Siedepunkt, als die Band nach der Zugabe „The Bleeding“ unter frenetischem Jubel die Bühne verließ.

Doch innerhalb weniger Minuten sollte sich diese absolute Euphorie in pures Entsetzen verwandeln. Als ich nach der letzten Note im Catering ankam, merkte ich schnell, dass etwas nicht stimmte.

Wiedersehen nach der schrecklichen Attacke im „Bataclan“: Alexx mit den Eagles of Death Metal (hier das komplette Bild – entschuldige, dass wir dich oben rausschneiden mussten Dave Catching!)

Es war kein Fünkchen von der Ausgelassenheit zu spüren, die normalerweise nach so einem atemberaubenden Konzert hinter der Bühne in der Luft schwebte. Stattdessen gab es nur diese unbeschreibliche, gespenstische und bedrückende Stille. Entsetzte, geschockte Gesichter von Band- und Crewmitgliedern verfolgten gebannt den CNN Live-Ticker, scrollten sich auf ihren Handys und Computern durch Facebook, Twitter und Instagram um weitere Informationen zu erhaschen.

Es war das eingetreten, was sich auch niemand in seinen schlimmsten Albträumen hätte vorstellen können. Islamistische Attentäter hatten den Pariser Rockclub „Bataclan“, den ich auch schon oft beruflich besucht hatte, gestürmt, und mehr als 100 unschuldige Konzertgänger bei einem Konzert der Eagles of Death Metal getötet. Von den unzähligen verletzten Personen erst gar nicht zu reden. Ich kann die Stimmung, die an diesem schicksalhaften Abend hinter der Bühne in Frankfurt herrschte, einfach nicht in Worte fassen, nicht beschreiben.

Zurück im Hotel war an Schlafen natürlich nicht mehr zu denken. Ich musste andauernd daran denken, dass Leute wie du und ich, Menschen, die einfach nur ausgelassen bei einem Konzert den Alltag vergessen und eine gute Zeit mit ihren Freunden haben wollten, von feigen Terroristen aus religiösen Gründen abgeschlachtet wurden.

Die ganze Nacht verbrachte ich vor dem Fernseher und im Internet, um auf dem neuesten Stand der aktuellen Geschehnisse zu sein.

Nach den Attacken in Paris sagten Five Finger Death und Papa Roach, wie viele andere Bands in Europa auch, einige der bevorstehenden Shows verständlicherweise ab.

Erst später erfuhr ich, dass unter den Opfern leider auch ein alter Bekannter war. Nick Alexander, der an diesem Abend für das Merchandise der Eagles of Death Metal verantwortlich war, ließ sein Leben bei der schrecklichen Terror-Attacke im „Bataclan“.

Nach den Angriffen merkte ich schnell – auch wenn ich nicht direkt involviert war – wie sich etwas mental bei mir verändert hatte. Waren Konzerte und Festivals vor dem „Bataclan“-Massaker ein Ort der Zusammenkunft und ein Zelebrierender tollsten Sache der Welt unter Gleichgesinnten, so fiel es mir wirklich schwer, die schrecklichen Ereignisse in den ersten Wochen und Monaten zu begreifen.

Bei jedem Konzert, das ich im Nachgang besuchte, hatte ich anfänglich ein komisches Gefühl im Magen. Ich schaute ständig über meine Schulter, achtete auf alle verdächtigen Bewegungen und Personen, und schaute mir, bevor ich mit meinem Tagwerk begann, erst einmal mögliche Fluchtrouten an, sollte es erneut zu Anschlägen kommen.

Doch diese Grundstimmung verflüchtigte sich Gott sei Dank recht schnell. Die islamistischen Terroristen hatten versucht, unsere Lebensfreude, unsere Kultur, unseren „European Way of Life“ zu attackieren, und grenzenlose Angst zu säen. Doch der weltweite Zusammenhalt unserer Community in diesen Zeiten war einfach unglaublich.

Wir haben keine Angst, we are not afraid.

Ein paar Monate nach den schrecklichen Vorfällen traf ich Jesse Hughes und seine Eagles of Death Metal dann endlich wieder. Ich war mit Rammstein auf dem Highfield-Festival in Großpösna unterwegs, bei dem auch die Eagles auftraten.

Als ich die Jungs in ihrem Container besuchte, umarmten wir uns alle innig. Ich war einfach nur froh, dass es der Band äußerlich gut ging.  Welche seelischen Narben diese schicksalhaften Stunden in Paris bei den Jungs hinterlassen haben müssen, ist einfach nicht zu begreifen.

Da Jesse Hughes großer Fan der Rammsteine war, bat er mich noch, ihm ein Shirt zu besorgen, dass er dann bei seiner Liveshow anziehen konnte. Als ich ihm wenig später den T-Shirt Klassiker mit dem Rammstein Logo vorbeibrachte, bedankte er sich bei mir im Gegenzug mit einem limitierten „Pigeons of Shit Metal“ Shirt, welches auf der mittlerweile legendären Aussage des Guns n` Roses Frontmann Axl Rose beruhte. So schloss sich dann wieder der Kreis.

Ich möchte mein Buch den Opfern und den Überlebenden der schrecklichen Terror-Attentate in Paris und Manchester widmen.

Weiter Infos und Geschichten von Alexx findet ihr auf seinem Insta-Account
https://www.instagram.com/alexxbecker/

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