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Wie nachhaltig sind deutsche Städte und die Deutschen an sich?

Nachhaltige Entscheidungen nehmen einen immer größeren Stellenwert in unserem Alltag ein: Sollte man auf Fleisch verzichten oder nur regionale Produkte essen? Nimmt man für den nächsten Städtetrip nach Prag das Flugzeug, lieber den Fernbus oder doch den Zug?

Stadtansicht Berlin von oben
9,4 Millionen Deutsche interessieren sich laut Umfrage für Nachhaltigkeit. Berlin befindet sich in Sachen Nachhaltigkeit übrigens auf Platz 20 von 80 Städten

Die Antworten sind oft vielschichtiger und komplexer als erwartet. Doch wie nachhaltig tickt Deutschland wirklich und welche deutsche Urlaubsdestination hat in Sachen Nachhaltigkeit die Nase vorn? Das hat sich die Reisebuchungsplattform Omio näher angesehen und ein Ranking der nachhaltigsten deutschen Städte erstellt.

Das Interesse an nachhaltigem Tourismus hat sich während der Pandemie fast verdoppelt 

Konkret hat Omio gemeinsam mit dem Marktforschungsunternehmen Rascasse analysiert, wie groß das Interesse an Nachhaltigkeit und nachhaltigem Reisen in Deutschland 2022 ist. Das Ergebnis: Für mindestens 9,4 Millionen Menschen in Deutschland ist Nachhaltigkeit ein Thema. Das Interesse an nachhaltigem Tourismus hat sich während der Pandemie sogar fast verdoppelt – besonders während der Wintermonate, in denen oft die Urlaube für das nächste Jahr geplant werden. 

Beliebte Reiseziele innerhalb Deutschlands sind die Ostsee, das Allgäu und der Schwarzwald. Besonders gefragt ist nachhaltiger Tourismus bei jungen Menschen im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. Das Interesse daran ist bei ihnen mehr als doppelt so hoch wie im bundesweiten Durchschnitt. 

Paar küsst sich am Strand an der Ostsee
Vor allem junge Leute interessieren sich für nachhaltige Urlaube an der Ostsee (Foto), im Allgäu oder im Schwarzwald

Menschen in Baden-Württemberg und Bayern ist Nachhaltigkeit am wichtigsten, nordrhein-westfälische Städte bilden Schlusslicht

Geografisch gesehen interessieren sich besonders die Menschen in Baden-Württemberg und Bayern überdurchschnittlich für Nachhaltigkeit und für nachhaltiges Reisen. Am größten ist das Interesse in Würzburg (87% der Befragten), dahinter folgen Heidelberg (67%) und Landau in der Pfalz (65%).  

Auch konnte Omio in Hinblick auf Verkehr, Luftqualität und die Anzahl an veganen und vegetarischen Restaurants einen Nachhaltigkeits-Score deutscher Städte ermitteln. So ist Braunschweig die nachhaltigste Stadt Deutschlands. Platz zwei und drei belegen Heidelberg und Freiburg im Breisgau. Das Schlusslicht bilden einige Städte aus Nordrhein-Westfalen wie Oberhausen und Hagen, der letzte Platz geht mit Abstand an Essen. Allerdings ist die Nachfrage nach Flugreisen in den südwestlichen Bundesländern sowie den Metropolen Deutschlands ausgeprägter als etwa im Norden und Osten.

Die Mehrheit der befragten Menschen in Deutschland hält sich selbst für recht umweltbewusst, sieht aber auch Möglichkeiten, mehr zu tun

Das Interesse an Nachhaltigkeit ist das eine, nachhaltiges Handeln das andere.  Als wie umweltfreundlich schätzen sich die Deutschen sich selbst ein? Das ergab die Umfrage:

Jede:r zweite Deutsche beurteilt das eigene Verhalten im Alltag schon eher nachhaltig, sieht aber auch noch Möglichkeiten, umweltbewusster zu handeln (53%). Weitere 16% sehen sich eher weniger nachhaltig handeln und möchten ebenfalls mehr tun. Lediglich 17% empfinden ihr Verhalten bereits als sehr nachhaltig und sehen keine Notwendigkeit für weitere Verbesserungen. Und altersübergreifend ist nur rund einem Zehntel (9%) Nachhaltigkeit im Alltag egal – Das sehen übrigens mehr Männer (12%) als Frauen (6%) so.

Durch Mobilität zur Nachhaltigkeit: Mehr als ein Viertel der Deutschen sehen Mobilitätswende als Möglichkeit zu mehr Nachhaltigkeit

Ein wichtiges Thema, das bei den Deutschen hoch im Kurs steht, ist Mobilität: Insgesamt 28% sehen hier Verbesserungspotenzial im Alltag, etwa beim Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad (16%). Und so meint etwa jede:r Zehnte (12%), durch den Verzicht auf Flugreisen, also Reisen mit Bus und Bahn, am ehesten nachhaltig handeln zu können. 

Das größte Potenzial, als Einzelperson etwas für das Klima zu tun, liegt laut den Befragten beim Recycling und bei der Wiederverwertbarkeit von Produkten wie zum Beispiel Kleidung (36%). Weniger Möglichkeiten, umweltschonende Entscheidungen zu treffen, sehen Teilnehmende der Umfrage bei Ernährung und Konsumverhalten. Den Kauf nachhaltig produzierter Produkte und Kleidung bezeichnen 9% als Option. Vegetarische bzw. vegane Ernährung ist für 12% (Frauen 14% vs. Männer 10%) der wichtigste Aspekt im Alltag, bei dem am nachhaltigsten gehandelt werden kann.

Fahrrad in der Stadt
Die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs und des Fahrrads wird für die Deutschen immer wichtiger

Flugreisen und Kreuzfahrten sind für die Hälfte der Deutschen keine nachhaltigen Transportmittel

Etwa die Hälfte der Befragten versteht unter nachhaltigem Reisen den Verzicht auf Flugreisen (45%) und Kreuzfahrten (47%). Entsprechend betrachten auch 40% Bus und Bahn als nachhaltige Reisealternative.

Während weniger als  jede:r Fünfte (17%) sagt, dass die Kompensation von CO2 bei Flugreisen schon als nachhaltiges Reisen bezeichnet werden kann, ist jede:r Vierte in Deutschland konsequenter und empfindet erst klimapositives Reisen als nachhaltig (23%). Klimapositiv bedeutet, mehr CO2 beim Reisen zu kompensieren, als insgesamt verbraucht wird.

So gehört für viele mehr zu nachhaltigem Reisen dazu als nur die Wahl entsprechender Transportmöglichkeiten für die An- und Abreise: Für 43% macht auch die Reduzierung von Verpackungsmüll vor Ort umweltschonendes Reisen aus. Die Buchung nachhaltiger, CO2-neutraler Unterkünfte spielt dabei für 16% eine Rolle. 

Mehr Informationen und Reiseinspirationen findet ihr unter de.omio.com 

Zur Erhebung

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2046 Personen zwischen dem 16. und 18.02.2022 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Rascasse betreibt Online-Marktforschung auf Basis authentischer und ganzheitlicher Verhaltensdaten. Hierzu werden Nutzerpräferenzen zu über 250.000 Objekten weltweit beobachtet, aggregiert und ausgewertet. Als Basis dienen digitales Engagement auf Social Media Plattformen, Verhalten auf E-Commerce Seiten und Aktivitäten in Suchmaschinen. Dies geschieht im Einklang mit der Datenschutzgrundverordnung, ohne Einbeziehung personenbezogener Daten. Die Definition der analysierten Begriffe, wie beispielsweise „Nachhaltigkeit“, referenziert auf die Definition bei Wikipedia.

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