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Neue Mehrheit im Bundestag kann Cannabisverbot kippen

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Die Wahl ist vorüber und die Mehrheiten haben sich verschoben. Noch ist unklar, wer der neue Regierungschef im Bundestag wird, doch in der Cannabisszene knallen jetzt schon die Champagnerkorken. Von den zukünftig wohl 735 Abgeordneten im alten Reichstag gehören 455 Volksvertreter Parteien an, welche sich vor der Wahl für die Abschaffung des Cannabisverbotes starkgemacht hatten. Das sind 60 % der Stimmen. 

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Somit stehen die Chancen gut, dass in absehbarer Zeit eines der widersprüchlichsten Gesetze der Nachkriegszeit Makulatur sein wird. Cannabis ist nämlich trotz Verbotes an jeder Ecke zu bekommen, auch Cannabis Samen in Deutschland sind problemlos über spezialisierte Onlineshops zu beziehen. Die Substanz ist bei rund drei Millionen Konsumenten tief in der Gesellschaft verankert. 

Geschichte des Cannabisverbotes 

Das Cannabisverbot ist keine hiesige Erfindung. Es betrat Deutschland über die Hintertür. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert war Cannabis offiziell Bestandteil vieler schmerzstillender Medikamente, das Rauchen war der kaiserlichen Regierung allerdings unbekannt. 

Das änderte sich bei der Opiumkonferenz von 1925 in Genf. Dort wurde Cannabis in das “Internationale Abkommen über Betäubungsmittel” aufgenommen. 1929 setzte Deutschland dann diese Vorgaben gezwungenermaßen um. Es wurden Gesetze erlassen, um Einfuhr, Verkauf, Vertrieb und Verwendung zu unterbinden.

US-amerikanischer Druck auf die Verbündeten

1971 wurde das “Opiumgesetz” ins Betäubungsmittelgesetz transformiert, dass fast deckungsgleich bis heute wirksam ist. In dieser Zwischenphase gab es reichlich Druck aus den Vereinigten Staaten. Das mächtige Federal Bureau of Narcotics stand nach dem Scheitern der Prohibition ohne Arbeitsgebiet da. Gleichzeitig wehrten sich mächtige Lobbygruppen aus der Baumwoll-, Holz-, Papier- und Erdölindustrie gegen das Aufkommen von Hanf, einer kleinen, billigen Pflanze, die überall wächst und viele Vorzüge hat. Die Magnaten sahen ihre Pfründe bedroht. 

Über gezielte Werbekampagnen und Horrorgeschichten wurde Cannabis als Droge der Schwarzen und Mexikaner verunglimpft, die unter Einwirkung von Cannabis in den Blutrausch verfallen und reihenweise weiße Frauen vergewaltigen würden. Flugs wurde THC (Tetrahydrocannabinol), der berauschende Wirkstoff des Hanfs, 1937 im “Marihuana Act” auf die Verbotsliste gesetzt. 1961 gelangte Cannabis auf Betreiben der Amerikaner auf die Liste der Vereinten Nationen für “besonders gefährliche Drogen”, auf der es bis Ende 2020 geführt wurde.

Neubewertung von Cannabis

Das Verbot fußt also auf einem Entscheidungsprozess, der noch vor dem Zweiten Weltkrieg seinen Anfang nahm und im Kalten Krieg international manifestiert wurde. Zudem gaben weniger gesundheitliche Gründe den Ausschlag, vielmehr standen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund, die zudem noch rassistisch motiviert waren. Als Nebeneffekt wurden wissenschaftliche Untersuchungen bezüglich der Wirkungsweise des Cannabis regelrecht abgewürgt.

Erst seit ein paar Jahren erscheint Cannabis in einem anderen Licht. Kanada, die USA, Uruguay und auch Portugal erlauben inzwischen den Verkauf und den Anbau für Privatpersonen. In den Niederlanden wird es zumindest geduldet. In Deutschland darf Cannabis seit 2017 aus medizinischen Gründen auf Rezept verschrieben werden, womit im Grunde von staatlichen Stellen ein positiver Einfluss auf die menschliche Gesundheit attestiert wird.

Pro und Contra des Cannabisverbotes

Die Diskussion um das Cannabisverbot in Deutschland währt nun auch schon mehrere Jahrzehnte. Immer wieder wurden Anfragen vor allem von den Grünen, der Linken und der FDP von der konservativen Mehrheit im Bundestag abgeschmettert, zuletzt Ende 2020. Diese Mehrheit ist nun Geschichte.

Vorteile des Cannabisverbotes

Die Befürworter des Cannabisverbotes gehen dabei von einer drogenfreien Gesellschaft aus. Nur so könne die Gesundheit der Gesellschaft und ihrer Mitglieder gesichert werden. Diese Ansicht konnte bisher weder wissenschaftlich untermauert noch historisch belegt werden. Finden Hanf und Cannabis doch schon seit tausenden von Jahren in vielen Kulturen Verwendung. 

Nachteile des Cannabisverbotes

Der Fall des Verbotes entkriminalisiert einen Großteil der Kleinkonsumenten, die heute beim Auffinden weniger Gramm mit einer Strafanzeige rechnen müssen. Justiz und Polizei werden mit Bagatellfällen überhäuft und blockiert. Mit einer geregelten Liberalisierung könnte der Schwarzmarkt ausgetrocknet und der internationalen Drogenmafia das Geschäftsmodell entzogen werden.

Mit dem Vorantreiben wissenschaftlicher Untersuchungen bestünde die Chance, weitere positive Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit zu entdecken. Letztlich profitieren der Fiskus und die Wirtschaft von geregelten Abläufen beim Anbau, der Verarbeitung und dem Vertrieb. Neben einigen Tausenden Arbeitsplätzen gehen dem Staat laut Schätzungen jährlich knapp drei Milliarden Steuereinnahmen durch die Lappen!


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