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NEW YORK im Lockdown und Lili Tewes

Künstler:innen sind schwer von der anhaltenden Situation betroffen, das ist leider nichts Neues. Keine Konzerte, keine Ausstellungen und auch kein Theater. Gerade letzteres betrifft auch die gebürtige Hamburgerin Lili Tewes. Sie ist professionelle Bühnentänzerin und frisch zurück vom Big Apple. Über ihre Erfahrung als Künstlerin im Lockdown und ihrem neuen ungewöhnlichen Projekt hat sie mit PRINZ gesprochen.

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Lili, du bist professionelle Tänzerin. Was hat dich zum Tanzen gebracht und wie lange tanzt du schon?

Ich war das schüchternste Mädchen, was man sich vorstellen kann, und doch wusste ich schon mit drei, ich will tanzen, ich will auf die Bühne. Nach einer professionellen Vorausbildung in Deutschland bin ich dann mit siebzehn zum Studium nach New York.

Du hattest lang ein Engagement in New York. Wie hast du besonders das letzte Jahr dort erlebt?

Die Geräusche nicht enden wollender Sirenen, vier Krankenhäuser in meiner Nachbarschaft und vor ihnen Kühlwagen voller Tote, jeden Abend Applaus für die Essential Workers. Ohne Menschen ist New York nicht wieder zu erkennen. Aufschreie vor Schmerz von Black Lives Matter im Sommer, die ich nie vergessen werde. Es ist der siebte November, nach harten Proben bin ich in der heißen Badewannen und schaue nicht wie seit Dienstag nach der Wahl nervös und permanent auf die App der New York Times als plötzlich laute Schreie vor Erleichterung durch New York hallen. Biden ist Präsident. Ganz New York hat auf den Straßen getanzt.

Warum hat dein Engagement in New York schließlich geendet?

Die Kompanie schließt, hat ohne staatliche Hilfe nicht überlebt. So habe ich mein Visum verloren und musste auf einen anderen Kontinent umziehen, während einer weltweiten Pandemie. Dann zehn Tage Quarantäne in Hamburg in meiner leeren neuen Wohnung, der Start eines Intermezzos in Europa auf unbestimmte Zeit.

Inzwischen bist du wieder in Hamburg zurück. Was bedeutet die Stadt für dich?

Ich bin ein Hamburger Mädchen, das noch manchmal über ihr Deutsch stolpert nach Jahren in den USA. Ich liebe diese Stadt, ihre Schönheit ist Trost in Momenten, wo die Unsicherheit dieser Zeit wehtut.

Was hat sich für dich als Künstlerin im Lockdown am meisten verändert?

Mitte März 2020 sollte die Kompanie in New York, bei der ich ein Engagement hatte, für acht Wochen auf Europa – Tour. Alle Tänzer sind schon im Flugzeug. Absage und ab dann hieß es nur noch virtuelle Spielzeit. Training und Proben erledigte ich in meinem kleinen Apartment in der Upper East Side. Meine Probendirektorin und die anderen Tänzer wurden für Monate zu Zoom-Rechtecken und mein Kühlschrank zu meiner Ballettstange. Pas de deux habe ich nur mit meiner Katze Ella, die um meine Beine schleicht.

Gibt es etwas, das du persönlich am meisten vermisst?

Vor der Pandemie hatte ich jeden Morgen zweieinhalb Stunden Company Class, Training für alle Tänzer der Kompanie unter den Ballettmeistern, sechs Stunden Proben und dann am Abend Shows.
Ich vermisse die physische Präsenz anderer Tänzer und sehne mich nach der Bühne. Das Unaussprechliche, was im Theater zwischen Künstler und Publikum passiert, fehlt.

Trotz Lockdown gibst du wieder Tanzkurse, doch in etwas anderer Form. Wie kann man sich das coronakonform vorstellen?

Auf einer 6500 qm Weide, auf der sonst zwei wunderschöne Pferde stehen, tanzen jetzt 20 Tänzer, Ballett, Hip Hop und Modern. Nach Monaten im Lockdown hat so jeder 250 qm für sich. Ein Traum jedes Tänzers. Die Behörden haben dem Tanzwerk für das Konzept eine offizielle Genehmigung erteilt und es gibt ein Hygiene – Protokoll, an das sich alle ganz vorbildlich halten.

Was sind die größten Herausforderungen beim Tanzen auf einer Pferdewiese?

Es fehlte so mit anderen Tänzern trainieren zu können.
Das heißt, im Moment ziehen sich alle warm an, weichen elegant Maulwurfshügeln aus und wenn es regnet, spannen alle ihre Regenschirme auf. Wir Tänzer sind hart im Nehmen.

Wo kann man sich für deine Kurse anmelden? Kann jeder teilnehmen und sind Vorkenntnisse erforderlich?

Ich bringe Technik und Repertoire direkt aus New York auf die Weide und in meinen Klassen stehen fortgeschrittene oder professionelle Tänzer. Es gibt einen Semesterplan mit dreißig Klassen in der Woche für alle Levels mit tollen Dozenten und man kann drei kostenlose Probestunden machen.
Auf www.lilitewes.com kann man mich kontaktieren und ich freue mich auch, wenn mir jemand schreibt der mehr über das Tanzwerk wissen möchte.

Was hast du für Pläne und Wünsche für die Zukunft?

Ich wünsche mir Menschen im Theater, das Leben auf Tour in Länder, die ich nicht kenne, lange Proben mit Choreografen und vielen Tänzern im Ballettsaal.
Und New York und ich sind noch nicht fertig…


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